____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Problemlösen
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Das Problemlösen (sowie die Problemlösung) ist eine SchlĂŒsselkompetenz von Personen, die darauf abzielt, erkannte Probleme durch intelligentes Handeln, durch bewusste Denkprozesse zu beseitigen.
Grayson H. Wheatleys launige Definition âProblemlösen ist das, was man tut, wenn man nicht weiĂ, was man tun sollâcite-ref-1[1] verweist auf die Unzufriedenheit mit einem Ist-Zustand als Ausgangspunkt einer Problemlösung, der durch Problemlösen zu einem Soll-Zustand verĂ€ndert werden soll. Die Abfolge unterschiedlicher Schritte auf dem Weg bezeichnet man als Problemlösungsprozess. Erforscht werden die Grundlagen von der Kognitiven Psychologie, der Kognitionswissenschaft und der Entscheidungstheorie.
Karl Duncker definierte 1935/1974: âEin âProblemâ entsteht z. B. dann, wenn ein Lebewesen ein Ziel hat und nicht âweiĂâ, wie es dieses Ziel erreichen soll. Wo immer der gegebene Zustand sich nicht durch bloĂes Handeln (AusfĂŒhren selbstverstĂ€ndlicher Operationen) in den erstrebten Zustand ĂŒberfĂŒhren lĂ€sst, wird das Denken auf den Plan gerufen. Ihm liegt es ob, ein vermittelndes Handeln allererst zu konzipieren.â
Der Wissenschaftsphilosoph Karl Popper verstand unter Problemlösen einen universellen, evolutionĂ€ren Prozess der sich durch stĂ€ndige und aktive Instruktion und Fehlerbeseitigung sowie innerhalb der wissenschaftlichen Methodik durch Falsifikation und kritische PrĂŒfung vollzieht.cite-ref-2[2]cite-ref-3[3] Thomas Kuhn stellte dem ein Modell gegenĂŒber, in dem Phasen von âNormalwissenschaftâ, die durch das Lösen von âPuzzlesâ geprĂ€gt sind, erst durch revolutionĂ€re âParadigmenwechselâ zu Problemlösung fĂŒhren können.cite-ref-4[4] Popper lehnte dies entschieden abcite-ref-5[5], bis Kuhn spĂ€ter einzelne Aspekte seiner ursprĂŒnglichen Position relativierte und Teile der Kritik an seinem Modell als MissverstĂ€ndnisse erklĂ€rtecite-ref-6[6] â eine Entwicklung, die Popper, trotz anhaltender Skepsis, anerkannte.cite-ref-7[7]
Contents
âą Wirtschaft
âą PĂ€dagogik
âą Analogiebildung
âą Schemainduktion
âą Algorithmen
âą Forschung
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Kategorisierungen
Probleme lassen sich hinsichtlich ihrer KomplexitĂ€t, der Klarheit ihrer Ziele und Mittel, ihrer Zeitskala, Herkunftsbereiches, Zeitdrucks sowie der Motivation, welche dem Problem anhaftet, kategorisieren.cite-ref-8[8] Problemlösungen sind erforderlich fĂŒr persönliche Probleme (Informationsasymmetrie, Konflikte, RivalitĂ€t, Streit bei der interpersonalen Kommunikation) oder fĂŒr Sachprobleme. Zu letzteren gehören beispielsweise Fehler, Finanzrisiken, Rechtsrisiken, Rechtsstreit, organisatorische Schwachstellen, betriebliche Anpassungen oder Job-Stopper in der Organisation.
Wirtschaft
In der Wirtschaft gibt es Alltagsprobleme bei allen Wirtschaftssubjekten (Privathaushalte, Unternehmen, Staat und dessen Untergliederungen wie öffentliche Verwaltung). Probleme in diesem Sinne sind Aufgaben oder Streitfragen, deren Lösung mit Schwierigkeiten oder Hindernissen verbunden ist. Sie mĂŒssen gelöst werden, um die persönlichen Ziele, Unternehmensziele oder Staatsziele erfĂŒllen zu können. Dabei sorgt Initiative als gezielt organisierbare Aufgabe dafĂŒr, dass eine permanente Problemsuche stattfindet, eine prĂ€zise und dokumentierte Problemartikulation erfolgt, ein sanktionsminimales Problem-Management vorhanden ist, bestehende Informationsresistenz abgebaut und die Eigenverantwortung gestĂ€rkt wird.cite-ref-9[9] Als Problemlösungen werden in der Betriebswirtschaftslehre auch die an individuellen Kundenanforderungen ausgerichteten Produkte oder Dienstleistungen verstanden (siehe Lösung).
PĂ€dagogik
Problemlösendes Denken ist ein zentrales Lernziel der gesamten Bildung und daher ein Gegenstand der PĂ€dagogischen Psychologie. Besonders in den USA werden problem solving skills in den Bildungseinrichtungen trainiert.cite-ref-10[10] Bei den vier Lernzielstufen von Heinrich Roth (Strukturplan 1970) steht es an oberster Stufe, ebenso bei den EPA-Anforderungsbereichen in der AbiturprĂŒfung. Hans Aebli unterscheidet zur Lernform Problemlösung verschiedene Problemtypen, die den Lernenden prĂ€sentiert werden:
- Probleme, die sich ergeben, weil unser Bild der Wirklichkeit LĂŒcken aufweist, âProbleme mit LĂŒckeâ (Max Wertheimer), fehlende Geschlossenheit der Gestalt, weiter unterteilbar in Interpolations- (lösbar durch eine Transformation) und offene Gestaltungsprobleme (lösbar durch neue VerknĂŒpfungen). Wichtige Zwischenstationen sind die PrĂŒfungen der Zwischenergebnisse und das AusschlieĂen von âHolzwegenâ.
- Probleme, bei denen ein Widerspruch in unseren Wahrnehmungen und Aussagen vorliegt (Kognitive Dissonanz);
- Probleme, die sich aus einer unnötigen Kompliziertheit (KomplexitÀt s. u.) unserer Weltsicht oder HandlungsplÀne ergeben, zum Beispiel bei einem Text vor der Trennung des Wichtigen vom Unwichtigen.cite-ref-11[11]
Phasen des Problemlösens
Das Problemlösen setzt eine zeitliche Abfolge kognitiver AktivitĂ€ten voraus. Diese reichen von der Identifikation des Problems ĂŒber eine genaue Situationsanalyse und Zielbestimmung bis hin zur Planerstellung sowie deren AusfĂŒhrung und Evaluation. Im Folgenden werden die Phasen des Problemlösens und ihre charakteristischen Eigenschaften nĂ€her erlĂ€utert.cite-ref-12[12]
Phase 1
Problemidentifikation
ZunÀchst muss ein Problem erkannt werden, insbesondere bei komplexen Sachverhalten. Ein Problem gilt als identifiziert, sobald erkannt wird, dass ein gesetztes Ziel nicht ohne weiteres Nachdenken zu erreichen ist.
Phase 2
Ziel- und Situationsanalyse
Die zweite Phase besteht aus zwei Teilphasen, der Ziel- sowie der Situationsanalyse.
Phase 2a: Zielanalyse
In dieser Phase geht es um eine genaue Definition des in Phase eins gesetzten Zielzustandes. Es wird untersucht, durch welche Merkmale der zu erreichende Soll-Zustand gekennzeichnet ist.
Phase 2b: Situationsanalyse
Die Phase der Situationsanalyse beinhaltet eine Bestandsaufnahme der Ist-Situation. Im Gegensatz zur Zielanalyse sowie zur Problemidentifikation steht hierbei nicht der angestrebte Soll-Zustand im Fokus. Stattdessen wird untersucht, warum die Lösung eines Problems momentan nicht möglich ist (Konflikt). AuĂerdem wird geprĂŒft, welches Material zur VerfĂŒgung steht und was hiervon im Verlauf der Problemlösung wichtig sein könnte.
Phase 3
Planerstellung
Die dritte Phase beschĂ€ftigt sich mit der Vorbereitung eines konkreten Vorgehens zur Problemlösung. Nach der Definition eines Ausgangs- und Zielzustands kann ein Lösungsplan begonnen werden. ZunĂ€chst mĂŒssen die Handlungen in einer logisch sinnvollen Reihenfolge ausgefĂŒhrt, weiter die Rahmenbedingungen erkannt und richtig eingeschĂ€tzt werden. Zwischenziele erleichtern die Erstellung. FĂŒr eine erfolgreiche PlandurchfĂŒhrung ist es wichtig, verfĂŒgbare Alternativen im Falle auftretender Störungen zu bedenken, auĂerdem, die Angemessenheit der Auflösung richtig einschĂ€tzen zu können.
Phase 4
PlanausfĂŒhrung
Diese Phase beinhaltet die konkrete Umsetzung des erstellten Lösungsplans. WĂ€hrend der DurchfĂŒhrung wird das Geschehen stĂ€ndig ĂŒberwacht und auf Fehler ĂŒberprĂŒft. Auf diese Weise ist eine schnelle Reaktion möglich und eine PlanĂ€nderung bzw. ein Planabbruch können eingeleitet werden. Die Phase der PlanausfĂŒhrung ist eng mit der Phase der Planerstellung verknĂŒpft. HĂ€ufig werden Handlungsschritte des Lösungsplans erstellt und durchgefĂŒhrt, noch ehe der weitere Verlauf des Plans feststeht.
Phase 5
Evaluation
In der letzten Phase des Problemlösens wird das Ergebnis bewertet. Die Bewertung erfolgt anhand der in der Zielanalyse formulierten (Teil-)Ziele. Je mehr dieser Teilziele erreicht wurden, desto besser ist das Gesamtergebnis zu bewerten. Im Falle einer eher negativen Ergebnisbewertung erfolgt ein Abbruch des Zielerreichungsversuchs oder ein erneuter Lösungsversuch.
Kriterium der Motivation/Emotion
Hinsichtlich der mit einem Problem verbundenen Motivation/Emotion können diese in âhigh-stakes-â sowie âlow-stakesâ-Probleme unterteilt werden. WĂ€hrend bei den âhigh-stakesâ Problemen eine hohe Motivation sowie eine intensive emotionale Beteiligung des Akteurs vorliegt, ist ein âlow-stakesâ-Problem mit wenig Emotionen und nur geringer Motivation behaftet. Von âhigh-stakesâ-Problemen spricht man demnach bei Problemen, deren Lösung mit groĂer Wichtigkeit verbunden ist. Ein Beispiel hierfĂŒr wĂ€re das Raumschiff âOdysseyâ, welches wĂ€hrend der Apollo-13-Mission beim Austritt aus der ErdatmosphĂ€re Explosionen im Sauerstofftank zu verzeichnen hatte. Die Besatzung musste dieses nie dagewesene Problem unbedingt auf irgendeine Weise lösen, um keine menschlichen Verluste hinnehmen zu mĂŒssen. Entsprechend hoch waren hier natĂŒrlich die Motivation der Akteure und ihre emotionale Beteiligung. Bei âlow-stakesâ-Problemen handelt es sich um Probleme der eher unwichtigen Art. Der Akteur fĂ€nde eine Lösung des Problems zwar schön, wĂ€re im Falle eines Nichtgelingens aber auch nicht weiter enttĂ€uscht.
Kriterium der Klarheit der Ziele und Mittel
Probleme unterscheiden sich auch hinsichtlich der Klarheit ihrer Ziele und Mittel. Man differenziert hier zwischen wohl definierten Problemen (well-defined) und schlecht definierten Problemen (ill-defined). Wohldefinierte Probleme verfĂŒgen ĂŒber klare Ausgangs- und Zielsituationen, auĂerdem ist bekannt, welche Mittel (Operatoren) fĂŒr den Prozess des Problemlösens zur VerfĂŒgung stehen. WĂ€hrend die wohldefinierten Probleme eher zu den âangenehmenâ Problemen gezĂ€hlt werden können, stellen die schlecht definierten Probleme eine gröĂere Herausforderung fĂŒr den Problemlöser dar. Hier sind weder die Ausgangs- noch die Zielbedingungen klar definiert. Es ist fraglich, welche Teilziele anzustreben sind und welche Merkmale die gewĂŒnschte Zielsituation denn ĂŒberhaupt ausmachen. AuĂerdem liegen wenige oder gar keine Informationen ĂŒber die vorhandenen Operanten vor. Beispielhaft fĂŒr ein schlecht definiertes Problem ist der Nahostkonflikt mit all seinen intransparenten, vernetzten und verwirrenden VorgĂ€ngen.
Kriterium der KomplexitÀt
â
Hauptartikel
:
Komplexes Problem
Eine Unterscheidung von Problemen kann auch nach dem Kriterium der KomplexitĂ€t erfolgen. Diese Differenzierung betrifft den Unterschied zwischen komplexen und einfachen Problemen. Bei einfachen Problemen ist eine bekannte, singulĂ€re LĂŒcke im Handlungsplan zu fĂŒllen. Ein Beispiel fĂŒr diese Art eines Problems wĂ€re ein Puzzle, welchem noch ein einziges Teil zur vollstĂ€ndigen Fertigstellung fehlt. Einfache Probleme sind stets wohldefiniert. Komplexe Probleme hingegen sind schwerer zu lösen. Hier gilt es eine Vielzahl an teilweise nicht genau definierten LĂŒcken im Handlungsverlauf zu schlieĂen, welche sich hĂ€ufig erst im Laufe des Problemlöseprozesses auftun. Komplexe Probleme sind stets schlecht definiert, es ist somit nicht einfach zu erkennen, ob der gewĂ€hlte Lösungsentwurf tatsĂ€chlich zielfĂŒhrend ist. Der Schutz eines Atomkraftwerkes vor terroristischen Angriffen und Umweltkatastrophen stellt ein komplexes, schlecht definiertes Problem dar. Es mĂŒssen hier zahlreiche Optionen bedacht werden, die Gefahr, eine LĂŒcke ĂŒbersehen oder nicht vollstĂ€ndig verschlossen zu haben, ist stets prĂ€sent.
Kriterium der Zeitskala
Auch gemessen an einer Zeitskala, zeigen sich klare Differenzen zwischen den einzelnen Problemen. WĂ€hrend kurzfristige Probleme schnell gelöst werden können, ist fĂŒr die Lösung langfristiger Probleme ein ĂŒber eine gröĂere Zeitspanne andauernder Arbeitsprozess mit verschiedenen Teilzielen durchzufĂŒhren. Ein Beispiel fĂŒr ein langfristiges Problem ist der Vorsatz, in der Arbeitswelt eine bessere Work-Life-Balance zu erwirken. Dieses Ziel ist nicht ohne weiteres zu erreichen, sondern bedarf eines langfristig angelegten Lösungsplanes, welcher verschiedene Zwischenziele beinhaltet.
Kriterium des Zeitdrucks
Probleme können auch nach der IntensitĂ€t ihres anhaftenden Zeitdrucks differenziert werden. WĂ€hrend manche Probleme ohne jegliche zeitliche Begrenzung gelöst werden können, bedĂŒrfen andere eines extrem schnellen Handelns des Akteurs. LĂ€uft beispielsweise ein Kind auf der StraĂe vor ein Auto, so hat der Autofahrer lediglich einen Bruchteil von Sekunden Zeit, um das Problem zu lösen, indem er bremst oder ausweicht. Ein Schachspieler hingegen kann seinen nĂ€chsten Spielzug so lange ĂŒberlegen, wie er möchte, was ihm die Möglichkeit verschafft, sehr viele Ăberlegungen anzustellen.
Kriterium des Bereiches
Auch der Bereich bzw. die DomĂ€ne, der ein Problem entstammt, ist ein Kriterium zur Kategorisierung. So unterscheidet man beispielsweise akademische von nicht akademischen Problemen, Probleme aus dem Bereich der Natur von Problemen aus dem Bereich der Technik etc. Je nach seiner DomĂ€ne bedarf ein Problem spezifischer Problemlösestrategien bzw. Kenntnis ĂŒber die Eigenschaften des jeweiligen Bereiches.
Objektive Problembeschreibung
Da kognitive Problemlöseprozesse immer auf einer subjektiven ProblemreprĂ€sentation beruhen, ist es fĂŒr die systematische Untersuchung des Problemlösens notwendig zu definieren, wodurch ein Problem ĂŒberhaupt gekennzeichnet ist. In einem komplexen Raum, der unendlich viele verschiedene ZustĂ€nde annehmen kann, kann ein Problem als Unterschied zwischen einem vorliegenden Ausgangszustand und einem Zielzustand gesehen werden. Das Ziel eines Problemlöseprozesses ist es, diesen Unterschied schrittweise ĂŒber ZwischenzustĂ€nde zu minimieren, die durch die gezielte Anwendung von Operatoren erzeugt werden. Ein Operator wird in diesem Sinne definiert als Handlung, die einen Problemzustand in einen anderen transformiert. Somit kann ein Problem durch seinen Zielzustand und das Operatorinventar, mit dem dieser erreicht werden soll, erschöpfend beschrieben werden. Nach Dietrich Dörner (1981) kann ĂŒber diese beiden Komponenten jedes Problem klassifiziert werden:
âą ein Problem mit geschlossenem, sprich genau eingegrenztem, Zielzustand und Operatorinventar ist durch eine Interpolationbarriere gekennzeichnet (bspw. Schach),
âą ein Problem mit geschlossenem Zielzustand und offenem Operatorinventar ist durch eine Synthesebarriere gekennzeichnet (bspw. Forschung in der Medizin),
âą ein Problem mit offenem Zielzustand und geschlossenem Operatorinventar ist durch eine dialektische Barriere gekennzeichnet (bspw. Urlaubsplanung),
âą ein Problem mit offenem Zielzustand und Operatorinventar ist durch sowohl eine Synthese- als auch eine dialektische Barriere gekennzeichnet.
Die formalisierten Formen von Operatoren werden als Produktionen bezeichnet, welche durch Bedingtheit, ModularitÀt, Zielzerlegung und Abstraktheit gekennzeichnet sind. Sie setzen sich aus zwei Komponenten zusammen:
1. eine WENN-Komponente, die die Anwendungsbedingung und somit implizit den Zielzustand enthÀlt,
2. eine DANN-Komponente, die den spezifischen Operator enthĂ€lt, der entweder zum Ziel- oder zu einem Zwischenzustand fĂŒhrt.
Die Theorie des Problemlösens von Newell und Simon
Noch immer bildet die Theorie des Problemlösens von Allen Newell und Herbert A. Simon (1972) die Grundlage vieler AnsÀtze. Sie betrachten den Menschen als Informationsverarbeitungssystem mit beschrÀnkten FÀhigkeiten, das mit seiner Umwelt interagiert und einen Problemlöseprozess durchlÀuft. Nach ihrer Theorie (information processing approach, 1972) sind zwei kooperierende Teilprozesse zentral: der Verstehens- und der Suchprozess.
Im Verstehensprozess (understanding) geht es um das Erzeugen einer internen ReprĂ€sentation des Problems, um drei wichtige Informationen zu gewinnen: ZunĂ€chst wird der Anfangszustand bestimmt, dann welche Operatoren zur Ănderung des Ist-Zustandes verwendet werden können. Der Endzustand ist genau anzugeben. Durch diese drei Komponenten wird der Problemraum (problem space) konstituiert. Er ist kein fixes Konstrukt, sondern im Laufe des Lösungsprozesses weiter verĂ€nderbar.
Der Teilprozess Suche (search) befasst sich mit der Problemlösung, eng verknĂŒpft mit dem Verstehensprozess. Gesucht wird nach der Diskrepanz zwischen Ausgangszustand und Zielzustand sowie nach Operatoren, die zum Erreichen des Zielzustandes beitragen könnten. Unterschieden wird hierbei zwischen schwachen und spezifischen Methoden. WĂ€hrend spezifische Methoden viel Kraft haben, aber selten eingesetzt werden können (âNimm einen Hammer, um den Nagel in die Wand zu schlagen!â), besitzen schwache Methoden weniger Kraft, können dafĂŒr aber hĂ€ufiger eingesetzt werden (âBenutze ein Werkzeug, um weiterzukommen!â).
Die Theorie des Problemlösens von Newell und Simon umfasst einen mehrstufigen Problemlöseprozess:
1. Im ersten Schritt erfolgt die Erzeugung einer mentalen ReprÀsentation des Problems in der problemlösenden Person.
2. Daraufhin wird aus einem internen Speicher fĂŒr Lösungsmethoden eine passende Methode ausgewĂ€hlt.
3. Im dritten Schritt wird die Methode angewendet. Sie endet entweder aus sich selbst heraus oder aufgrund metakognitiver Prozesse.
4. Je nach Endergebnis der Methode wird nun die interne ReprÀsentation verÀndert, eine andere Lösungsmethode angewendet oder der Lösungsversuch abgebrochen.
5. Probleme, die wĂ€hrend der Anwendung einer Methode auftreten, werden als Unterziele auf dieselbe Weise bearbeitet wie das ursprĂŒngliche Problem. Beeinflusst und verĂ€ndert werden kann der Lösungsprozess durch neu eintreffende Informationen.
Verschiedene Faktoren beeinflussen den Problemraum sowie das Lösungsprogramm. Hierzu ist unter anderem die Instruktion zu nennen, welche eine Beschreibung von Ausgangs- und Zielszustand liefert. Des Weiteren sehen Newell und Simon die vorherige Erfahrung der problemlösenden Person mit der fraglichen oder einer Ă€hnlichen Aufgabe als wirksame GröĂe. Auch die im LangzeitgedĂ€chtnis gespeicherten LösungsrĂ€ume, welche auf eine Vielzahl von Aufgaben anwendbar sind, sowie die gespeicherten Programme zur Konstruktion von ProblemrĂ€umen und neuen Programmen, spielen eine bedeutende Rolle. Auch der Verlauf des aktuellen Problemlöseprozesses ist bedeutend.cite-ref-13[13]
Heuristiken und Strategien
Problemlösen verlÀuft in der Regel nach folgendem Schema:
1. Am Anfang steht das Problem, ein kognitiver Konflikt, ein unbefriedigender Ist-Zustand,
2. Es bedarf nun epistemischer Neugier, um den Ist-Zustand zu ĂŒberwinden,
3. Suche nach Hilfsmitteln, Informationen, LösungsansÀtzen beginnt,
4. Haben wir einen richtigen Lösungsweg gefunden, erfahren wir einen Aha-Effekt (wenn nicht: zurĂŒck zu 3.),
5. Am Ende steht die Entspannung, der angestrebte Soll-Zustand.
Dass der Prozess des Problemlösens alles andere als trivial ist, zeigt eine Vielzahl von Heuristiken, die es Individuen oder Gruppen (siehe auch Problemlösungstechnik (Gruppe)) erlauben, trotz begrenzter Ressourcen (Zeit, Energie usw.) Probleme so zu bearbeiten, dass sie in den meisten FÀllen eine adÀquate Lösung finden.
Zentrale Mechanismen, die sich hierfĂŒr im Laufe der Evolution als sinnvoll erwiesen haben, sind sog. Heuristiken. Sie bewirken allerdings in manchen Situationen, dass beim Lösen komplexer Probleme systematische Fehler begangen werden.
Das Anwenden von verschiedenen Lösungsstrategien beruht darauf, dass eine Person fĂŒr eine Problemsituation mehrere Lösungsmöglichkeiten im GedĂ€chtnis abgespeichert haben kann. Sie beobachtet die Situation, bewertet entsprechend ihrer auf Erfahrungen beruhenden oder anders gelernten Lösungsstrategien und sucht nach einem Weg, um die Situation adĂ€quat zu lösen.
Konkrete Methoden fĂŒr das Problemlösen bieten die diversen KreativitĂ€tstechniken und spezielle, fĂŒr Gruppen konzipierte Problemlösungstechniken. Die beiden Methoden sind nicht streng zu trennen, da verschiedene Techniken, wie beispielsweise Verfahren der problemlösenden KreativitĂ€t oder systematischen Heuristik, sowohl ĂŒber inneren als auch Ă€uĂeren Dialog funktionieren.
Problemlösen geschieht zwischen zwei möglichen Extremen:
1. Versuch und Irrtum (englisch trial and error) und anderen Heuristiken oder
2. Lernen durch Einsicht (englisch insight learning).
Die Unterscheidung zwischen den Begriffen Heuristiken und Strategien ist beim Problemlösen nicht einheitlich. Im Folgenden wird daher auf eine Differenzierung verzichtet und es werden beispielhaft verschiedene Problemlösestrategien/-heuristiken vorgestellt.
Versuch und Irrtum
Die Methode âVersuch und Irrtumâ wurde von Edward Lee Thorndike an Ratten untersucht. Es setzt keinerlei Intelligenz voraus. Zur Veranschaulichung: Ein eingesperrter Hund wird sich erst durch Lautgeben bemerkbar machen. Dem Bellen folgt vermutlich TĂŒrkratzen. Wenn das nicht hilft, wird er vermutlich an der TĂŒr hochspringen und es letztendlich auch durch Zufall schaffen, die TĂŒrklinke herunterzudrĂŒcken. Bei Erfolg wird er dieses aus Versuch und Irrtum heraus âErfahreneâ immer wieder anwenden. Bei Kindern kann man Ă€hnliches beobachten. Haben sie gelernt, dass sie mit einem bestimmten Verhalten eine Situation meistern konnten, wiederholen sie dieses in Zukunft.
FĂŒr die trial-and-error-Strategie ist ein Erinnerungsvermögen, das ausschlieĂt, durch Zufall immer wieder erfolglose AnsĂ€tze durchzuexerzieren, wesentliche Voraussetzung. Das kreative VerĂ€ndern von bereits erfolgreich angewandten Problemlösestrategien fĂŒr das Meistern von Ă€hnlichen Problemen, das sogenannte âUmstrukturierenâ von Gelerntem, ist ein wichtiger Schritt weg von ZufallsÂaktionen und hin zu einsichtigem Problemlösen. Im Gehirn bereits vorhandene Schemata werden den Gegebenheiten der jeweiligen Situation dabei durch Verallgemeinerungsleistungen angepasst. Umstrukturierung von Gelerntem setzt also Abstraktionsvermögen voraus. Mit KreativitĂ€t bezeichnet man hingegen die Möglichkeiten eines intelligenten Wesens, neue, noch nicht gezeigte Verhaltensweisen bzw. Ideen in den Problemlösungsprozess einzubinden.
Unterschiedsreduktion
Wie schon oben erwĂ€hnt, besagt die Unterschiedsreduktion, dass eine effektive Problemlösung zumeist möglich ist, indem man sich sukzessiv dem Zielzustand annĂ€hert. Dieses Prinzip wird auch Bergsteigermethode genannt und hat den Nachteil, dass eventuell bei komplexen Problemlöseprozessen ZwischenzustĂ€nde erreicht werden, von denen aus es nicht mehr weitergeht, und man somit auf frĂŒhere Zwischenschritte zurĂŒckgreifen muss.
Ein Problem, an dem sich die Methode der Unterschiedsreduktion zeigen lĂ€sst, ist die sogenannte Missionare-und-Kannibalen-Aufgabe.cite-ref-14[14] Drei Missionare und drei Kannibalen (in anderen Versionen Hobbits und Orcs oder Ăhnliche) wollen in einem maximal zwei Personen fassenden Boot auf die andere Seite eines Flusses ĂŒbersetzen. Allerdings darf die Anzahl der Kannibalen niemals die der Missionare ĂŒbersteigen. Beim Lösungsversuch gibt es immer zwei mögliche ZĂŒge, wobei der eine wieder in einen frĂŒheren Zustand zurĂŒckfĂŒhrt.
Mittel-Ziel-Analyse
Bei komplexeren Problemstellungen kann die Bergsteigermethode jedoch in Sackgassen oder Endlosschleifen enden. Eine effektive Problemlösungsstrategie, die solche Schwierigkeiten vermeidet, bietet die Mittel-Ziel-Analyse, die Simon & Newell (1972) formulierten. Sie beruht darauf, dass die zur Lösung relevanten, aber nicht verfĂŒgbaren Operatoren verfĂŒgbar gemacht werden. Dies geschieht mittels Rekursion, in der der Zielzustand in Teilziele zerlegt wird, die mittels anderer verfĂŒgbarer Operatoren erfĂŒllt werden. Modelliert wurde dies als Informationsverarbeitungsprozess mit Hilfe eines Computers: des General Problem Solvers.
Analogiebildung
Eine weitere relevante Heuristik ist die Analogiebildung, bei der Elemente aus einer BasisdomĂ€ne, ein Problem, dessen Lösung schon vorher bekannt war, auf eine ZieldomĂ€ne ĂŒbertragen wird. Ein Beispiel hierfĂŒr ist die Ăbertragung der Elemente des heliozentrischen Modells auf ein Atommodell durch Rutherford. Damit die Elemente jedoch ĂŒbertragen werden können, bedarf es des Wissens um das Vorhandensein von relevanten DomĂ€nen, aus denen Operatoren abgeleitet werden können. Nach Dörner (1981) ist hierfĂŒr jedoch eine Abstraktion nötig, die in vielen FĂ€llen nicht naheliegend sein muss, da die BasisdomĂ€nen anders reprĂ€sentiert sind als die ZieldomĂ€ne. Mögliche Schwierigkeiten entstehen hier beispielsweise durch die funktionale Fixierung (man kann ein Hasenfell durchaus als Zunder benutzen, auch wenn dies nicht naheliegt) oder durch Einstellungseffekte.
Weitere Strategien
⹠Mittel-Zweck-Analyse: Ist mein Lösungsweg das richtige (Mittel), um den Soll-Zustand zu erreichen (Zweck)? Ist der zu erwartende neue Zustand nÀher am Ziel (Soll-Zustand)?
âą Vom Ziel aus denken
âą Barrieren ĂŒberwinden: umstrukturieren einer festgefahrenen Lösungsstrategie
Strategieauswahl aus systemtheoretischer Sicht
Beim Denken in Systemen wird das Problem in ein ganz bestimmtes paradigmatisches System eingeordnet und die Lösungsstrategie aus bekannten, auf dieses Paradigma angepassten Strategien ausgewÀhlt.
âą Berichtet etwa ein Mensch ĂŒber ihn belastende Ăngste und TrĂ€ume, so wird ein entsprechend geschulter Psychologe am ehesten aus der psychoanalytischen Sichtweise an dieses PhĂ€nomen herantreten. Wird ĂŒber diesen Menschen aus seinem Umfeld jedoch berichtet, dass er z. B. in verschiedenen Situationen scheinbar grundlos aggressiv wird, so wird der Psychologe wohl eher aus der behavioristischen Sichtweise argumentieren, dass dieses Verhalten erlernt wurde und wieder verlernt werden kann. Die Gestaltpsychologie betrachtet den Menschen an sich und seine Umwelt und versucht auf diesem Wege, Problemlösungstechniken anzuwenden.
âą Wenn ein Team aus Bauingenieuren mit Schwerpunkt BrĂŒckenbau den Auftrag bekommt, eine neue Bahntrasse durch ein hĂŒgeliges GelĂ€nde zu fĂŒhren, wird es eine hochgelegene Trasse suchen und TĂ€ler mit BrĂŒcken ĂŒberspannen. Bauingenieure mit Schwerpunkt Tunnelbau werden eine tiefergelegene Trasse suchen und finden, die die TĂ€ler durchfĂ€hrt und Berge mit Tunneln durchqueren.
Erfahrung und Lernen beim Problemlösen
Einstellungseffekt
Man spricht von einem Einstellungseffekt, wenn bei Ă€hnlichen Problemen oder einer Reihe von Problemen ein bestimmtes Lösungsmuster zur Routine wird. Das Muster wird oftmals selbst dann ausgefĂŒhrt, wenn es einfachere und kĂŒrzere Lösungswege gĂ€be.cite-ref-betsch2011-s164-15-0[15]
Durch die Schwierigkeiten, welche oben bereits bei âAnalogiebildungâ erwĂ€hnt wurden, wird hĂ€ufig vom Einstellungseffekt in negativer Weise gesprochen. Denn trotz einfacherer Lösungswege werden oftmals ineffektivere Varianten gewĂ€hlt. Doch man kann durch den Einstellungseffekt ebenfalls aufzeigen, dass man beim Problemlösen schnell lernt und sich dabei stabile Routinen bilden können.cite-ref-betsch2011-s164-15-1[15] AuĂerdem spricht die kognitive Ăkonomie fĂŒr den Einstellungseffekt. Denn fĂŒr die problemlösende Person ist dies der sparsamste und mit Sicherheit erfolgreichste Weg, ein Problem beziehungsweise vor allem viele aufeinanderfolgende Probleme möglichst schnell zu lösen.cite-ref-funke2003-s115-16-0[16]
Der Einstellungseffekt kann durch zwei Theorien erklĂ€rt werden, wobei die eine die andere nicht ausschlieĂt.cite-ref-funke2003-s114-17-0[17]
Zum einen kann eine Einstellung auf den Sequenzeffekt zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Dieser besagt, dass bei aufsteigenden Schwierigkeitsstufen leichter gelernt werden kann als bei absteigenden. Tritt ein Bruch in dem Anstieg der Schwierigkeit ein, kann der Einstellungseffekt eintreten, da bei stetig steigender Erschwernis eine leichtere Aufgabenstellung schlichtweg nicht in Betracht gezogen wird.cite-ref-funke2003-s114-17-1[17]
Zum anderen besagt die Hypothesentheorie, dass Probleme, welche plötzlich aus einem anderen Hypothesenraum erscheinen, ebenfalls einen Einstellungseffekt unterstĂŒtzen. Denn eine Problemlösestrategie aus dem vorherigen Hypothesenraum fortzufĂŒhren, ist bequemer und unkomplizierter, als sich an einen neuen anzupassen. Sind somit ein Bruch in der aufsteigenden Schwierigkeit und/oder ein Wechsel im Hypothesenraum gegeben, kann ein Einstellungseffekt entstehen.cite-ref-funke2003-s114-17-2[17]
Schemainduktion
Lernt man aus der Erfahrung im Umgang mit Problemen, lÀsst sich das so induzierte Wissen in vier Teilgebiete gliedern:cite-ref-18[18]
2. Das Wissen, was die in 1 identifizierten Probleme strukturell gemeinsam haben, welche weiteren Beispiele ebenfalls zu diesem Typ passen usw. (englisch elaboration).
3. Das Wissen, welche Schritte zur Lösung des vorliegenden Problems zu unternehmen sind, welche Werkzeuge gebraucht werden, wie Ressourcen aufzuteilen sind usw. (englisch planning).
4. Die Fertigkeit, die in 3 geplanten Schritte auszufĂŒhren (englisch execution).
Die ersten drei Wissensarten sind deklarativ, die vierte ist prozedural.
Interne ReprÀsentation
Unter interner ReprĂ€sentation versteht man sĂ€mtliche inneren Vorstellungen (z. B. stellt man sich vor, welche Handgriffe man ausgefĂŒhrt hat, kurz bevor man den SchlĂŒssel verlegt hat). Dabei ist es am wichtigsten sich das Ziel (= Endzustand) genau vorstellen zu können bzw. genau zu wissen, WAS das Ziel ist. Des Weiteren mĂŒssen auch die Ausgangssituation bekannt sein sowie die anzuwendenden Operatoren und deren EinschrĂ€nkungen. Solche internen ReprĂ€sentationen werden aufgebaut, indem man Informationen ĂŒber das Problem zufĂŒgt oder weglĂ€sst bzw. diese Informationen interpretiert. Die interne ReprĂ€sentation ist ausreichend fĂŒr einfache Probleme.
Externe ReprÀsentation
Bei komplexeren Problemen muss zusĂ€tzlich eine externe ReprĂ€sentation stattfinden. Externe ReprĂ€sentationen sind alle ReprĂ€sentationsformen, die auĂerhalb der geistigen Vorstellung stattfinden, zum Beispiel an den Fingern abzĂ€hlen, laut vorlesen, aufzeichnen etc. Externe ReprĂ€sentation kann nur stattfinden, wenn bereits eine interne ReprĂ€sentation vorhanden ist, und hilft, Beziehungen zwischen Problemaspekten aufzuzeigen.
Entwicklung und VerÀnderung der ReprÀsentation
ReprĂ€sentationsformen können sich im Laufe des Problemlöseprozesses weiterentwickeln, was als Verbesserung angesehen wird. Die VerĂ€nderungen finden statt, da man anfangs wichtige Aspekte ĂŒbersehen hat. Eine gĂŒnstige ReprĂ€sentationsform auszuwĂ€hlen, ist eine Lösungsstrategie.
Notfallreaktion des kognitiven Systems
Die Notfallreaktion des kognitiven Systems, kurz NRK, ist eine Reaktion auf unspezifische Gefahrensituationen und ist zum Teil genetisch vorgegeben, kann jedoch auch hervorgerufen werden durch Faktoren aus dem direkten und indirekten Umfeld, die dabei diesen Zustand begĂŒnstigen oder auslösen oder es kann antrainiert werden, um instinktiv auf bestimmte Handlungsmechanismen zurĂŒckgreifen zu können. Sie ist hilfreich fĂŒr eine schnelle Reaktion. Das heiĂt, dass sowohl Stresssituationen als auch stressĂ€hnliche Symptome die NRK auslösen können.cite-ref-betsch2011-s171-19-0[19] Die NRK ist also eher eine reaktive, spontane als eine geplante Handlung.cite-ref-funke2003-s182-20-0[20]
Es gibt drei Effekte der NRK:cite-ref-betsch2011-s171-19-1[19]
1. Der erste Effekt besagt, dass eine Senkung des intellektuellen Niveaus entstehen kann. Das heiĂt, dass Selbstreflexion und Absichten der problemlösenden Person heruntergesetzt werden.
2. Zweitens geht man von einer Tendenz des schnellen Handelns aus. Hierbei erhöhen sich Bereitschaft zum Risiko und zu RegelverstöĂen, gleichzeitig aber auch die Tendenz zur Flucht.
3. Zuletzt kann eine Degeneration der Hypothesenbildung einsetzen, welche zur Entkonkretisierung von Zielen fĂŒhrt. Hypothesen werden allgemeiner formuliert und auf eine nĂ€her eingehende Fehlersuche wird verzichtet.
Methodische Problemlösung
Methoden zur Problemlösung unterscheiden sich in lineare und dynamische Verfahren. Einfache Probleme (z. B. Finden des nĂ€chsten Parkplatzes) erfordern meist keine aufwendigen Strukturen. Sie lassen sich gut mit einem linearen Verfahren (Problemdefinition, Umweltanalyse, Lösungsentwicklung) lösen. Komplexe Probleme (z. B. Friedensverhandlung nach einem BĂŒrgerkrieg) sind in ihrer GĂ€nze nicht zu erfassen und beschreiben. In solchen FĂ€llen wird der Problemlösungsprozess selbst Teil der Lösung; wie z. B. beim Karfreitagsabkommen in Nordirland oder dem Friedensprozess im Nahen Osten. Es kommen dynamische Verfahren zum Einsatz. Viele dieser Verfahren kommen aus der Softwareentwicklung. Wird die Problemumgebung als System betrachtet, so können zu seiner Lösung verschiedene Problemlösungsverfahren aus dem Konzept des System Engineering angewendet werden. Diese Vorgehensweise ist insbesondere fĂŒr die Problemlösung in komplexen soziotechnischen Systemen wie z. B. Unternehmen geeignet.
Alle Modelle haben wie auch andere grundsĂ€tzliche Ăhnlichkeiten. Gemeinsam ist allen Modellen eine dreistufige Struktur:
âą Exploration des Problems mit anschlieĂender Arbeitsformulierung
âą Exploration der möglichen Lösungen mit anschlieĂender Eingrenzung auf aussichtsreiche Lösungsstrategien
âą EinfĂŒhrung einiger weniger Lösungen mit anschlieĂender RĂŒckkontrolle.
Beispiele fĂŒr Lösungsmethoden
âą 6-Stufen-Modell des REFA-Verbandes
âą Design Thinking
⹠Problemlösungsprozess des Lehrgangs Creativity, Innovation and Change der Open Universitycite-ref-21[21]
âą SPALTENcite-ref-22[22]
âą TRIZ
Nicht-menschliches Problemlösen
Algorithmen
Als Algorithmus wird ein Lösungsverfahren bezeichnet, das in eindeutiger Weise von einem Ausgangszustand zu einer Lösung fĂŒhrt. So berechnet der Euklidische Algorithmus fĂŒr zwei natĂŒrliche Zahlen die gröĂte natĂŒrliche Zahl, die in beiden natĂŒrlichen Zahlen als Teiler enthalten ist. Algorithmen können automatisiert ausgefĂŒhrt werden und fĂŒhren immer zu einer Lösung. Deshalb kann man Algorithmen auch als Computerprogramme schreiben und die automatische Lösung an einen Computer delegieren.
Heuristiken im engeren Sinne (also Heuristiken, die sich nicht als Algorithmen schreiben lassen) können nicht so einfach in Computerprogramme ĂŒberfĂŒhrt werden. So gibt es fĂŒr das âProblem des Handlungsreisendenâ (eine Reiseroute zwischen vielen Orten soll optimiert werden) zwar eine algorithmische Lösung, aber diese ist wegen ihrer Zeit- und Ressourcenbelastung praktisch nicht zu realisieren, wenn die Anzahl der zu besuchenden Orte sehr groĂ ist. Hier kommt man mit einer Heuristik weiter, die nur anstrebt, eine möglichst gute Lösung zu finden. Um diese nur suboptimale Lösung programmtechnisch durch einen Computer lösen zu lassen, braucht man dann wieder einen Algorithmus, der die suboptimale Lösung eindeutig wirksam macht. Allerdings wird durch dieses Verfahren nicht automatisch auch die Ursprungsproblematik eindeutig gelöst.
Problemlösen durch kĂŒnstliche Intelligenz
In diesem Artikel geht es um Problemlösungsstrategien von natĂŒrlichen Wesen. FĂŒr das abgeleitete Anwendungsgebiet in der KĂŒnstlichen Intelligenz, in dem versucht wird, formalisierte Schlussweisen zur Lösung von Problemen einzusetzen, siehe Automatisches Problemlösen.
Forschung
Die Problemlösung wurde nach dem Ende der deutschen Denkpsychologie und dem folgenden Desinteresse des Behaviourismus erst in den 1950er Jahren durch die Kognitive Wende der Kognitionswissenschaft zum Schwerpunkt weiterer Forschung. Einen starken Anstoà gab die neue Informationswissenschaft, durch die Problemlösungen in der Computersprache zu entwickeln waren (Funke, S. 26ff.)
Die Forschung Lösung komplexer Probleme hat sich in Nordamerika und in Europa auf verschiedene Ziele konzentriert. Die nordamerikanische Richtung geht von Problemlösung in abgetrennten, natĂŒrlichen WissensdomĂ€nen aus, die europĂ€ische auf komplexere, semantisch reiche Probleme, die gerne mit Computerszenarien dargestellt werden.
In Europa hat dies einmal der Brite Donald E. Broadbent (1977)cite-ref-23[23] und zum anderen Dietrich Dörner (1975, 1985) in Deutschland vorangetrieben. Dörner interessierte sich fĂŒr das Zusammenspiel von kognitiven, motivationalen und sozialen Komponenten der Problemlösung. (Funke, S. 135ff.)
In Nordamerika haben Herbert A. Simon (Logic Theorist) und er mit Nevell (Human Solving Problem, 1972) mehr fĂŒr semantisch reiche Probleme verschiedener natĂŒrlicher begrenzter WissensdomĂ€nen wie Physik, Schreiben etc. versucht, eine globale Theorie der Problemlösung zu finden und eine Expertise zu entwickeln, etwa fĂŒr den Schachcomputer (Chase, Simon, 1973).cite-ref-24[24]
Literatur
âą Tilmann Betsch, Joachim Funke, Henning Plessner: Denken â Urteilen Entscheiden Problemlösen. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-642-12473-0.
âą Hermann BrandstĂ€tter, Felix Brodbeck: Problemlösen und Entscheiden in Gruppen. In: Zeitschrift fĂŒr Arbeits- und Organisationspsychologie A & O. Nr. 2, 2004, ISSN 0932-4089, S. 383â445.
âą Dietrich Dörner et al.: Planen, Handeln und Entscheiden in sehr komplexen RealitĂ€tsbereichen. 1981. In: W. Michaelis (Hrsg.): Bericht ĂŒber den 32. Kongress der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Psychologie, ZĂŒrich 1980, Göttingen: Hogrefe.
âą Karl Duncker: Zur Psychologie des produktiven Denkens. Springer, Berlin 1935, ND 1974. ISBN 978-3-540-03487-2
⹠Joachim Funke: Problemlösendes Denken. In: Kohlhammer Standards Psychologie. 1. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2003, ISBN 3-17-017425-8.
âą Joachim Funke: Komplexes Problemlösen. In: Denken und Problemlösen. Band 8. Hogrefe, Göttingen, Bern, Toronto, Seattle 2006, ISBN 3-8017-0527-7, Kap. 6, S. 375â445 (uni-heidelberg.de [PDF; 3,7 MB]).
âą Ulrike Kipman: Komplexes Problemlösen. Begriff - EinflussgröĂen - Korrelate. Erkenntnisse am Beispiel der PISA-Studie. Springer Gabler, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-658-30825-4.
âą Ulrike Kipman: Problemlösen. Begriff - Strategien - EinflussgröĂen - Unterricht - (hĂ€usliche) Förderung. 2. Auflage. Springer Gabler, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-658-26803-9.
âą Johannes MĂŒller: Arbeitsmethoden der Technikwissenschaften â Systematik, Heuristik, KreativitĂ€t. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, ISBN 3-540-51661-1.
âą Hans-Joachim Niemann: Die Strategie der Vernunft. Problemlösende Vernunft, rationale Metaphysik und Kritisch-Rationale Ethik (1993), 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2008, ISBN 978-3-16-149878-7.
âą Karl Popper: Alles Leben ist Problemlösen. Ăber Erkenntnis, Geschichte und Politik. Piper, MĂŒnchen 1994, ISBN 3-492-22300-1.
âą Max Wertheimer: Produktives Denken. Kramer, Frankfurt am Main 1957.
Weblinks
Commons
: Problemlösen
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Einzelnachweise
cite-note-11. â "What you do when you don't know what to do"; in: G. H. Wheatley: Problem solving in school mathematics. In: MEPS Technical Report 84.01. Purdue University, School of Mathematics and Science Center, West Lafayette (Indiana) 1984, S. 1.
cite-note-22. â Karl R. Popper: Erkenntnis und Evolution. Zur Verteidigung von Wissenschaft und RationalitĂ€t. Hrsg.: Hans-Joachim Niemann. Band 13. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2015, ISBN 978-3-16-150348-1, S. 300 (525 S.). Fehler in Vorlage:Literatur â *** Parameterformat: Sprachcode: 'de' statt 'Deutsch' verwenden
cite-note-33. â Karl Raimund Popper: All Life is Problem Solving. Psychology Press, 1999, ISBN 978-0-415-17486-2 (google.de [abgerufen am 29. August 2025]).
cite-note-44. â Thomas Samuel Kuhn: The Structure of Scientific Revolutions. 1962, abgerufen am 29. August 2025 (englisch).
cite-note-55. â Karl Popper: Realism and the Aim of Science: From the Postscript to The Logic of Scientific Discovery. Routledge, 2013, ISBN 978-1-135-85888-9, S. xxxiv (google.de [abgerufen am 29. August 2025]).
cite-note-66. â T. S. Kuhn: Reflections on my Critics. In: Criticism and the Growth of Knowledge: Proceedings of the International Colloquium in the Philosophy of Science, London, 1965. Band 4. Cambridge University Press, Cambridge 1970, ISBN 978-0-521-09623-2, S. 231â278 (cambridge.org [abgerufen am 29. August 2025]).
cite-note-77. â Karl Popper: The Myth Of The Framework. 1993, S. 63; 19 (archive.org [abgerufen am 29. August 2025]).
cite-note-88. â Tilmann Betsch/Joachim Funke/Henning Plessner: Denken â Urteilen, Entscheiden, Problemlösen. S. 151 ff.
cite-note-99. â Rolf Bronner: Initiative. In: Fritz Nieske/Markus Wiener (Hrsg.): Management-Lexikon. Band II, 1968, S. 568.
cite-note-1111. â Hans Aebli: Zwölf Grundformen des Lehrens: eine allgemeine Didaktik auf psychologischer Grundlage; Medien und Inhalte didaktischer Kommunikation, der Lernzyklus. 13. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2006, ISBN 3-608-93044-2, S. 277â295.
cite-note-1212. â Tilmann Betsch/Joachim Funke/Henning Plessner: Denken â Urteilen, Entscheiden, Problemlösen. S. 146â150.
cite-note-1313. â Tilmann Betsch/Joachim Funke/Henning Plessner: Denken â Urteilen, Entscheiden, Problemlösen. S. 180 ff.
cite-note-1414. â S. Ian Robertson: Problem Solving. Psychology Press, Hove (UK), 2001, S. 40 ff.
cite-note-betsch2011-s164-1515. â Tilmann Betsch/Joachim Funke/Henning Plessner: Denken â Urteilen, Entscheiden, Problemlösen. S. 164.
cite-note-funke2003-s115-1616. â Funke: Problemlösendes Denken. S. 115.
cite-note-funke2003-s114-1717. â Funke: Problemlösendes Denken. S. 114.
cite-note-1818. â S. P. Marshall: Schemas in problem solving. Cambridge University Press 1995.
cite-note-betsch2011-s171-1919. â Tilmann Betsch/Joachim Funke/Henning Plessner: Denken â Urteilen, Entscheiden, Problemlösen. S. 171.
cite-note-funke2003-s182-2020. â Funke: Problemlösendes Denken. S. 182.
cite-note-2121. â J. Martin, R. Bell (and a contribution by Eion Famer) B822 Technique Library; The Open University 2000;